Wie lange sollte die Laufzeit einer Risikolebensversicherung sein?
Die Laufzeit ist neben der Versicherungssumme der zweite zentrale Stellhebel einer Risikolebensversicherung. Sie bestimmt, wie lange der Hinterbliebenenschutz besteht — und beeinflusst gleichzeitig die Höhe des Beitrags. Eine zu kurze Laufzeit lässt eine Schutzlücke entstehen, eine zu lange Laufzeit verteuert den Vertrag unnötig.
Welche Laufzeit ist sinnvoll?
Die richtige Laufzeit orientiert sich am konkreten Absicherungsbedarf. Maßgeblich ist der Zeitraum, in dem Hinterbliebene oder Geschäftspartner finanziell auf das versicherte Einkommen oder die versicherte Tilgungsleistung angewiesen sind. Bei einer Familienabsicherung wird häufig der Zeitraum bis zur wirtschaftlichen Selbstständigkeit der Kinder gewählt. Bei einer Immobilienfinanzierung deckt die Laufzeit typischerweise den Tilgungszeitraum bis zur vollständigen Rückzahlung des Darlehens ab.
Häufig genannt werden Laufzeiten zwischen 10 und 35 Jahren. In der Praxis sind 20 bis 30 Jahre besonders verbreitet, da sie sowohl die Phase mit minderjährigen Kindern als auch lange Tilgungszeiträume bei Wohneigentum gut abdecken. Wichtig ist, dass die Laufzeit zum erwarteten Bedarf passt — und nicht pauschal an einer Standardvorgabe orientiert wird.
Faktoren für die Laufzeitwahl
Zu den wichtigsten Bemessungsgrößen zählen Alter der Kinder, Restlaufzeit eines Darlehens, geplante Renteneintrittsphase, berufliche Lebensplanung sowie individuelle Vermögensverhältnisse. Wer früh abschließt, profitiert in der Regel von einem niedrigeren Beitrag, weil das Eintrittsalter direkt in die Risikobewertung einfließt.
- Alter der Kinder bzw. voraussichtliche Dauer der Unterhaltspflicht
- Restlaufzeit der Immobilienfinanzierung oder eines Geschäftskredits
- Erwartete eigene Lebens- und Berufsphase bis zur Rente
- Verfügbares Vermögen und liquide Rücklagen
- Bestehende weitere Absicherungen, etwa über die betriebliche Altersversorgung
Beitragswirkung der Laufzeit
Die Laufzeit beeinflusst den Beitrag in mehrfacher Hinsicht. Mit zunehmender Laufzeit steigt das durchschnittlich versicherte Risiko, da das Sterberisiko mit dem Alter zunimmt. Versicherer kalkulieren den Beitrag deshalb häufig als gleichbleibenden Durchschnittsbeitrag über die gesamte Laufzeit. Eine längere Laufzeit führt damit fast immer zu einem höheren Jahresbeitrag — auch wenn der Schutz pro versichertem Jahr günstiger erscheinen mag.
Tipp: Wer Unsicherheit über die ideale Laufzeit hat, kann mit einer kürzeren Laufzeit starten und über eine Verlängerungsoption die Möglichkeit zur späteren Anpassung sichern.
Häufige Fehler bei der Laufzeitwahl
Ein häufiger Fehler ist, die Laufzeit ausschließlich an einer Standardlaufzeit zu orientieren, ohne den eigenen Bedarf abzubilden. Ebenso problematisch ist es, eine zu kurze Laufzeit zu wählen, die zu einer Schutzlücke führt — beispielsweise wenn das Darlehen bei Vertragsende noch nicht vollständig getilgt ist. Auch das gegenteilige Extrem, eine deutlich überdimensionierte Laufzeit, kostet ohne erkennbaren Nutzen Geld.
Eine periodische Überprüfung des Vertrags — beispielsweise alle drei bis fünf Jahre — hilft, die Laufzeit im Verlauf an veränderte Lebensumstände anzupassen. Bei wesentlichen Lebensereignissen wie Heirat, Geburt, Hauskauf oder Scheidung ist eine Überprüfung in jedem Fall sinnvoll.
Laufzeit an konkrete Verpflichtungen koppeln
Die wirtschaftlich saubere Methode zur Laufzeitwahl koppelt die Vertragsdauer an konkrete finanzielle Verpflichtungen. Bei einer Baufinanzierung orientiert sich die Dauer am Tilgungsplan: Wenn das Annuitätendarlehen voraussichtlich nach 27 Jahren getilgt ist, ist eine Laufzeit von 27 Jahren plausibel. Bei der Familienabsicherung dient häufig der Zeitpunkt als Referenz, an dem das jüngste Kind voraussichtlich wirtschaftlich auf eigenen Beinen steht — typischerweise das 25. Lebensjahr nach Berufsausbildung oder Studium. Wer beide Risiken absichert, wählt die längere der beiden Perioden.
Eine zu kurz gewählte Laufzeit birgt das Risiko, dass am Ende der Versicherungszeit weiterhin ein Absicherungsbedarf besteht — etwa weil die Tilgung sich verzögert, ein Bausparvertrag später als geplant zur Auszahlung kommt oder Kinder ein Studium aufnehmen, das ursprünglich nicht vorgesehen war. Eine spätere Verlängerung ist nur dann ohne erneute Gesundheitsprüfung möglich, wenn der ursprüngliche Vertrag eine entsprechende Verlängerungsoption enthält. Eine zu lang gewählte Laufzeit verursacht hingegen unnötige Beiträge in einer Lebensphase, in der der eigentliche Versicherungsbedarf bereits entfallen ist. In Zweifelsfällen empfiehlt sich eine moderate Reserve von zwei bis drei Jahren über den planmäßigen Bedarfshorizont hinaus.
Eine zusätzliche Überlegung betrifft das Endalter: Versicherer setzen häufig ein Höchstendalter von 75 oder 80 Jahren fest. Wer die Vertragslaufzeit am gewünschten Endalter ausrichtet, sollte die altersbedingt steigenden Beiträge im Blick behalten. Ab dem 60. Lebensjahr verteuert sich der Risikoschutz überproportional, da die statistische Sterbewahrscheinlichkeit deutlich steigt. In dieser Lebensphase ist häufig ein anderer Absicherungsbedarf relevant — etwa eine Pflegeversicherung oder eine Sterbegeldversicherung. Eine bewusste Begrenzung der RLV-Laufzeit auf den tatsächlichen Versorgungszeitraum vermeidet unnötig hohe Beiträge in späten Vertragsjahren.
Häufige Fragen
- Welche Laufzeit ist üblich?
- Üblich sind Laufzeiten zwischen 10 und 35 Jahren. Besonders häufig werden 20 bis 30 Jahre vereinbart, da sie typische Familien- und Finanzierungsphasen gut abdecken.
- Kann ich die Laufzeit später verlängern?
- Eine spätere Verlängerung ist möglich, wenn im Vertrag eine Verlängerungsoption vereinbart wurde. Andernfalls ist nur ein neuer Vertrag möglich, der wieder eine Risikoprüfung voraussetzt.
- Was passiert nach Ablauf der Laufzeit?
- Nach Ablauf der vereinbarten Laufzeit endet der Vertrag ohne Auszahlung, sofern kein Versicherungsfall eingetreten ist. Eine reine Risikolebensversicherung enthält keinen Sparanteil.
- Lohnt sich eine sehr lange Laufzeit?
- Eine sehr lange Laufzeit lohnt sich vor allem dann, wenn ein entsprechend langer Absicherungsbedarf besteht. Andernfalls verteuert sie den Vertrag, ohne einen zusätzlichen Nutzen zu erzeugen.
- Was, wenn der Bedarf vor Ablauf endet?
- Endet der Bedarf vor dem regulären Ablauf — etwa bei vollständiger Tilgung des Darlehens — kann der Vertrag zum nächsten Kündigungstermin beendet werden. Auch eine Reduktion der Versicherungssumme ist je nach Tarif möglich.
- Beeinflusst das Alter die Laufzeitwahl?
- Ja. Mit höherem Eintrittsalter steigen die Beiträge pro Jahr. Wer früh abschließt, profitiert von niedrigeren Beiträgen und kann längere Laufzeiten leichter finanzieren.