RLV ohne Gesundheitsfragen — was leisten solche Tarife?

Eine Risikolebensversicherung gänzlich ohne jegliche Risikoprüfung wird in Deutschland praktisch nicht angeboten. Versicherer setzen jedoch in bestimmten Konstellationen auf vereinfachte Risikoprüfungen mit reduziertem Fragenkatalog. Wer eine Standardprüfung scheut, findet hier mögliche Alternativen — mit klaren Grenzen.

Warum Versicherer Gesundheitsfragen stellen

Die Gesundheitsfragen dienen der Risikoeinschätzung. Aus den Antworten leitet der Versicherer das individuelle Sterberisiko ab und kalkuliert auf dieser Basis den Beitrag. Eine vollständige Risikoprüfung ermöglicht den günstigsten Beitrag, weil sie die genaueste Einschätzung erlaubt.

Vereinfachte Risikoprüfung

Manche Tarife — etwa bei kleineren Versicherungssummen, in Verbindung mit Gruppenverträgen oder im Rahmen einer Nachversicherungsgarantie — sehen eine vereinfachte Risikoprüfung vor. Dabei werden weniger oder gar keine Gesundheitsfragen gestellt. Im Gegenzug ist die maximale Versicherungssumme häufig begrenzt und der Beitrag relativ höher.

Wartezeiten und Ausschlüsse

Tarife ohne oder mit reduzierter Risikoprüfung enthalten häufig Wartezeiten — typischerweise zwei bis drei Jahre — in denen bei Tod aus bestimmten Ursachen keine oder nur eine reduzierte Leistung erfolgt. Auch Ausschlüsse für Vorerkrankungen können vorgesehen sein. Die genauen Bedingungen sind im Tarif geregelt.

Bedingungen sorgfältig prüfen: Tarife ohne Gesundheitsfragen enthalten häufig Einschränkungen, die im Leistungsfall relevant werden können. Eine sorgfältige Prüfung der Bedingungen ist unverzichtbar.

Wann ist ein solcher Tarif sinnvoll?

Ein Tarif mit vereinfachter Risikoprüfung kann eine Option sein, wenn eine Standardprüfung absehbar zu einer Ablehnung oder einem hohen Risikozuschlag führen würde — etwa bei bestimmten Vorerkrankungen. Wer eine größere Versicherungssumme benötigt, sollte parallel einen Standardantrag prüfen, um die wirtschaftlich bessere Lösung zu identifizieren.

Alternativen bei Vorerkrankungen

Wer aufgrund einer Vorerkrankung mit erschwerter Risikoprüfung rechnet, kann zunächst eine anonyme Risikovoranfrage über einen Versicherungsmakler oder direkt beim Versicherer prüfen lassen. So lässt sich frühzeitig einschätzen, welche Tarife in Frage kommen, ohne dass eine offizielle Antragsbearbeitung mit möglicher Ablehnung erfolgt.

Wartezeiten, Begrenzungen und realistische Einordnung

Risikolebensversicherungen ohne Gesundheitsfragen sind in Deutschland möglich, unterliegen aber erheblichen Einschränkungen. Üblich sind Wartezeiten von zwei oder drei Jahren, in denen der volle Versicherungsschutz nicht greift — verstirbt die versicherte Person innerhalb der Wartezeit aus krankheitsbedingten Ursachen, werden in der Regel nur die gezahlten Beiträge zurückerstattet, nicht aber die volle Versicherungssumme. Bei Tod durch Unfall greift der Schutz dagegen häufig sofort in voller Höhe. Die Versicherungssummen sind regelmäßig auf 10.000 bis 25.000 Euro begrenzt, gelegentlich auf bis zu 50.000 Euro.

Wirtschaftlich sind diese Produkte deutlich teurer als reguläre Risikolebensversicherungen: Bei einem 50-jährigen Antragsteller können die Beiträge das Drei- bis Fünffache eines vergleichbaren Tarifs mit Gesundheitsprüfung betragen. Die Zielgruppe sind Personen, die aufgrund schwerer Vorerkrankungen keinen regulären Vertrag mehr abschließen können — etwa nach Krebserkrankungen, schwerwiegenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder bei chronischen Erkrankungen mit erheblicher Lebensverkürzung. Vor Abschluss eines vereinfachten Tarifs sollten Betroffene zunächst prüfen lassen, ob ein regulärer Vertrag — gegebenenfalls mit Risikozuschlag oder Ausschluss — bei einem auf substandardrisiken spezialisierten Versicherer noch möglich ist; diese Lösung ist regelmäßig wirtschaftlich vorteilhafter.

Vor Abschluss eines vereinfachten Tarifs sollten Betroffene zudem prüfen, ob alternative Lösungen die Absicherung übernehmen können: ein höher dotiertes Notgroschen-Konto, eine kleinere Sterbegeldversicherung mit günstigerem Beitrag, oder die Anpassung bestehender Versicherungen (etwa Erweiterung einer Hausratversicherung um eine Bestattungspauschale). Die Risikolebensversicherung ohne Gesundheitsprüfung ist zwar zugänglich, aber wirtschaftlich nicht immer die beste Lösung — eine umfassende Beratung kann passendere Alternativen aufzeigen.

Kosten-Nutzen-Analyse für unterschiedliche Zielgruppen

Risikolebensversicherungen ohne Gesundheitsfragen sind wirtschaftlich nur in spezifischen Konstellationen sinnvoll: bei schweren Vorerkrankungen, die einen regulären Vertragsabschluss unmöglich machen; bei sehr kurzfristigem Absicherungsbedarf, in dem die Wartezeit nicht ins Gewicht fällt; oder als Übergangslösung, bis ein regulärer Vertrag mit Gesundheitsprüfung abgeschlossen werden kann. Für gesunde Personen ist die reguläre RLV mit Gesundheitsprüfung deutlich wirtschaftlicher.

Vor Abschluss eines vereinfachten Tarifs sollten Betroffene zwingend prüfen, ob ein regulärer Vertrag — gegebenenfalls mit Risikozuschlag oder Ausschluss — bei einem auf substandardrisiken spezialisierten Versicherer noch möglich ist. Eine anonyme Risikovoranfrage über einen unabhängigen Versicherungsmakler kostet nichts und kann eine deutlich günstigere Lösung aufzeigen. Spezialisierte Anbieter akzeptieren häufig auch Versicherte mit Diabetes, kontrolliertem Bluthochdruck, ausgeheilten Krebserkrankungen oder anderen Vorerkrankungen zu kalkulierbaren Konditionen.

Die Wartezeiten in vereinfachten Tarifen sind tariflich genau definiert: Üblich sind 24 oder 36 Monate Wartezeit, in denen bei Tod aus Krankheit nur eine reduzierte Leistung (etwa Beitragsrückzahlung mit moderater Verzinsung) ausgezahlt wird. Bei Tod durch Unfall greift die volle Versicherungssumme regelmäßig sofort. Diese Differenzierung sollte bei der Tarifauswahl beachtet werden — bei akut absehbarem Versorgungsbedarf können die Wartezeiten den eigentlichen Schutzzweck konterkarieren.

Häufige Fragen

Gibt es eine RLV ganz ohne Gesundheitsfragen?
Eine Risikolebensversicherung gänzlich ohne Risikoprüfung wird praktisch nicht angeboten. Vereinfachte Prüfungen sind möglich, jedoch mit Einschränkungen.
Wie hoch sind die Versicherungssummen?
Häufig sind die Summen bei vereinfachter Prüfung begrenzt — die genaue Höhe ist tarifabhängig.
Welche Wartezeiten gibt es?
Üblich sind Wartezeiten von zwei bis drei Jahren, in denen bei Tod aus bestimmten Ursachen keine oder reduzierte Leistung erfolgt.
Was ist eine Risikovoranfrage?
Eine anonyme Anfrage beim Versicherer, mit der ohne offizielle Antragsbearbeitung geprüft wird, welche Tarife bei einer bestimmten Risikolage in Frage kommen.
Lohnt sich der höhere Beitrag?
Wenn eine Standardprüfung zur Ablehnung führen würde, kann ein vereinfachter Tarif die einzige Möglichkeit sein. Andernfalls ist eine Standardlösung wirtschaftlich oft günstiger.